Der Luzidus
"Der Luzidus" ist mein erster Fotoband, der zudem noch eine Novelle von mir und eine Musik CD von Carlos Peron enthält. Die Novelle die dem Fotoband seinen Namen gab entführt den Leser in die Welt der Tagträume. Der Protagonist Luzidus erwacht eines morgens in einem eigentümlichen Labyrinth. Er ist gänzlich nackt und alleine.
Wie ist er hierher gekommen?
Er durchstreift es und merkt, dass er auf dem Weg zu sich selbst ist. Unter mysteriösen Umständen trifft er ein weiteres Opfer des Labyrinths- eine ebenfalls nackte Frau. Durch dieses Treffen wird er mit seinen sexuellen Fantasien konfrontiert... und lebt sie aus. Nur gemeinsam können Sie sich aus ihrem Labyrinth – und somit aus ihren Konventionen – befreien. Jeder von ihnen hat eine Aufgabe zu erfüllen und muss etwas tun, was er bisher noch nie getan hat.. Die Geschichte treibt auf ein grausames Ende zu... ein kafkaesker Alptraum für die Protagonisten und dem Leser.
2009 ist zudem ein zweiter Teil entstanden (Das Höllentor), der den Faden des Luzidus weiterspinnt. Trotzdem stehen beide Werke für sich.
Erhältlich im Buchhandel/Amazon.
Dieses multimediale Werk beinhaltet über 80 SM- und Fetischfotografien von denen Ihr einige HIER (Werke 1999 bis 2004) sehen könnt.
Impressionen
- Dia-Trailer
- Fotografien 1999-2004
Das Vorwort von Annie Sadeau
„Magie von Licht und Schatten, von Wort und Klang, von Entblättertem und Verstecktem, von Dominanz und Demut, von Schuld und Sühne, Formen und Linien, Fesseln und Freiheit, Körper und Seelen, von Aufbäumen und Hingabe, von zarter Erotik bis zu aufwühlendem SM. „ (Aus dem Vorwort).
„Der Luzidus“ ist das zweite Werk des Fetischkünstlers Woschofius.
Die Novelle „Der Luzidus“ entführt uns in eine Welt zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Geschichte handelt von einem Menschen, der in einer Welt voller Konventionen lebt. In Tagträumen wehrt sich sein Innerstes dagegen und wirft ihn in ein Labyrinth, dass seine Ängste und Vorbehalte symbolisiert. Geleitet durch eine nackte Frau findet er zu sich selbst.
Die Novelle zieht in seinen Bann. Sie ist ungewöhnlich und diskussionswürdig, da sie sich mit den Konventionen die der Glaube in uns prägen kann intensiv auseinander setzt.
Die Wirkung der Geschichte wird durch eine beigelegte Musik CD noch verstärkt. Carlos Peron hat die Novelle in einen seiner genialen Klangteppiche gewoben und die Spieldauer ist exakt auf die Lesezeit abgestimmt. Diese CD gibt es nur in Verbindung mit diesen Bildband.
Hauptteil des Werkes sind aber die subtilen Fetisch – Fotografien. Gefesselte Frauen, Stolze Diven, zarthart Erotik in Licht und Schatten, Dominas und Sklavinnen durchziehen den Band mit ihrer Präsenz.
Besonders wertvoll macht ihn seine strenge Limitierung auf 500 Stück, der zudem von Hand signiert und nummeriert wurde.
Leseprobe [1]
Ich werde sterben.
Es ist Sonnenaufgang und die Sonne kriecht aus dem Wald, um ihrer ewigen Bahn zu folgen. Vögel schwirren durch meinen Garten, auf der Suche nach Insekten. Ein Duft von französischem Basilikum liegt in meiner Nase und ein lauer Sommertag scheint sich anzumelden.
Und ich?
... ich werde sterben.
Ich werde natürlich nicht körperlich sterben, aber das, was ich war, werde ich nicht mehr sein.
Heute morgen bin ich aufgewacht,... aufgeschreckt aus einem Traum, der mir den Atem stocken ließ. Ich erwachte...nein, ich wurde herauskatapultiert, mit schweißnasser Haut und das Entsetzen kroch durch meinen Körper. Es würde das letzte mal sein, dass ich wach wurde.
Dieses Erwachen rettete meine Seele.
Mein Traum wollte mich töten, mich auflösen und ich wusste, dass ich,.... dass meine Persönlichkeit... sterben würde.
Ich hatte die Wahl.
Wenn ich wach bliebe, würde mich der Wahnsinn der Übernächtigung packen und mich irgendwann umbringen.
Ich konnte natürlich auch wieder einschlafen, aber dann würde ich nie wieder aufwachen und den Rest meines Lebens Gefangener meines Alptraums bleiben... und dort wartete SIE.
Lüstern, verfügbar, alptraumhaft, grausam.
Aber war es denn wirklich ein Alptraum? Mein Innerstes rebellierte gegen das, was mit mir geschehen war, gegen das, was aus mir geworden war und auch gegen das, was ich mir wünschte, mir aber nie eingestehen würde.
Es gab natürlich noch einen dritten Weg.
Ich schaute in den Spiegel, der in meinem Badezimmer hing. Dunkle Ringen umrahmten meine unstet flackernden Augen. Es waren lange Tage gewesen. Eigentlich waren es Monate, aber die Zeit spielte für mich keine Rolle mehr.
Ich hatte abgenommen. Gut, ich war nie sonderlich dick oder muskulös gewesen, aber nun konnte man meine Rippen zählen und die hervorstehenden Wangenknochen ließen mein Gesicht wie einen Totenschädel wirken. Mein Gesicht hatte zudem eine Rasur verdient. Der Dreitagesbart stand mir nicht sonderlich gut. Ich strich mit meinen Händen über den Bart und das Kratzgeräusch tat mir in den Ohren weh.
Ich war wach.
Aber schlief ich nicht in Wirklichkeit?
Was war Traum, was war die Realität? Kann man träumen, dass man träumt? Die letzten zwei Monate war ich wach gewesen, obwohl es nur drei Tage waren und ich schlief.
Ich beugte mich nach vorne, um mich näher zu betrachten und in diesem Augenblick spürte ich, wie mein Ring vom Finger glitt und ins Waschbecken fiel. Er sprang einige Male hin und her, um dann, sich um sich selbst drehend, seine Ruhe im Abflusssieb zu finden. Ich hob meine Hand hoch und betrachtete meine Finger. Der Ring war einfach abgefallen, obwohl ich ihn vor wenigen Tagen nur noch mit Seife und kaltem Wasser vom Finger ziehen konnte.
Aber es gab ja diesen dritten Weg...
Leseprobe [2]
Als ich den Kopf hob, war das Lehrerzimmer verschwunden und meine Hände waren leer. Ich kniete nackt auf dem Boden und vor meinem Gesicht wuchsen ein Paar ebenfalls nackter Beine empor.
„Na, wieder wach geworden?“
Ich schaute nach oben und genau vor meinem Gesicht befand sich die nackte und rasierte Scham der jungen Frau. Rasch senkte ich den Blick und stand auf.
„Nimmt das denn nie ein Ende? Gott hilf mir.“
„Hier unten gibt es keinen Gott.“
„Gott ist überall.“
Sie zuckte mit den Schultern, umarmte mich und ihr schöner Körper presste sich voller Verlangen an den meinen. Sie griff in meinen Schritt und bevor ich sie wegstoßen konnte, spürte ich, dass mein Glied steif wurde.
„Siehst du, du willst es doch auch.“
(...)
Angewidert stieß ich sie von mir. Sie fiel zu Boden und schrie auf. Dann lag sie weinend vor mir.
Das grässliche Echo ihres Schreies stand im Raum und ich hielt mir die Ohren zu. Dieses Mal war es keine Engelsmusik.
Es war der Schmerz aus Jahrhunderten, laut, dröhnend, mit dem Wissen um all die Ängste, Nöte und Verzweiflung der Welt. Nur langsam verklangen die Klageelegien, so als ob man nach und nach die Sänger eines Chores eliminieren würde, die Mozarts Requiem aufführten.
SANCTUS
BENEDICTUS
Ich schämte mich wegen meines Gewaltausbruches und wusste nicht, wie ich mich nun verhalten sollte. Ich strich mir verlegen über den Kopf. Das Schlimmste war allerdings, dass mein Glied immer noch steif nach vorne wegstand.
UND DAS WAR NICHT RICHTIG!
„Entschuldige bitte.“
Ich streckte Ihr eine Hand zu, doch sie schlug sie aus. Sie richtete sich auf und kniete nun vor mir. Ich war froh, dass sie mich nicht anschaute. Ihrem Blick wäre ich nicht gewachsen gewesen. Sie legte Ihre Hände auf meine nackten Füße und senkte ihren weichen Mund darauf. Ich spürte ihre Lippen an meinen Zehen, wie sie sich zärtlich darüber tasteten. Ihre Zunge glitt behutsam zwischen meine Zehen und streichelte mich hingebungsvoll. Ich wollte sie erneut wegstoßen, aber irgendetwas in mir ließ es einfach geschehen. Ich beobachtete sie wie sie hingabevoll meine Füße liebkoste und tröstend legte ich ihr meine Hand auf den Kopf. Irgendwie fühlte ich eine Stärke in mir die ich nicht erklären konnte. So musste sich ein Priester fühlen, wenn er einen Gläubigen segnete und auf den Weg der Tugend brachte. Nach einer Weile hörte sie auf und schaute nach oben.
Ihre Unterwürfigkeit irritierte mich.
„Du brauchst dich nicht entschuldigen. Es ist dein gutes Recht, mit mir zu machen, was du willst. Deswegen bin ich ja hier. Benutze mich, schlage mich wie du willst. Mein ganzer Körper steht dir vollständig zur Verfügung. Du brauchst keine Rücksicht zu nehmen. Du darfst mich sogar töten.“
„Du spinnst ja. Niemand darf jemand anderen töten oder ihn verletzen. Das wäre eines Christen nicht würdig.
„Das gilt vielleicht, wenn du schläfst. Hier gelten andere Regeln... beziehungsweise, es gibt keine Regeln. Sei was du bist.“
Das junge Mädchen tat mir leid. Sie hatte keinen Glauben und musste Schlimmes durchgemacht haben. Aber unser Herr ist der Herr der Gnade und Verzeihung. Auch sie würde ihren Platz im Paradies erlangen.
„Darf ich dich auch wegschicken? Dann hätte ich vor dir und der Versuchung meine Ruhe.“
„Ja, aber dann würde eine andere kommen, immer und immer wieder. Und ich wäre verloren.“
„Wieso verloren?“
„Ich hätte meine Aufgabe nicht erfüllt und müsste den Rest meines Lebens schlafen. Das wäre furchtbar. Ich wäre in diesem Traum dazu verdammt, eine kaltherzige und gefühllose Frau zu sein, hart zu jedermann, ohne Mitleid und verheiratet mit einem Mann, den ich nicht liebe. Und in mir drinnen wäre ich einsam, traurig und verbittert.“
„Aber du bist in meinem Traum.“
Sie zuckte erneut mit den Schultern.
„Vielleicht bist du auch in meinem Traum, oder wir sind beide Teil eines anderen Traumes. Vielleicht träumt uns auch Gott.“ (...)

